A Quiet Kind of Thunder – Sara Barnard

by - 10 Januar

A Quiet Kind of Thunder | Sara Barnard | Verlag: Macmillan | 320 Seiten | Meine Wertung: ★★★★★

KLAPPENTEXT

Steffi has been a selective mute for most of her life - she's been silent for so long that she feels completely invisible. But Rhys, the new boy at school, sees her. He's deaf, and her knowledge of basic sign language means that she's assigned to look after him. To Rhys, it doesn't matter that Steffi doesn't talk, and as they find ways to communicate, Steffi finds that she does have a voice, and that she's falling in love with the one person who makes her feel brave enough to use it.
Quelle: My Kinda Book

MEINE MEINUNG

Wenn ich daran denke wie dieses Buch zu mir gefunden hat, glaube ich doch ein kleines bisschen an Schicksal, oder zumindest an bedeutende Zufälle. Wie sonst findet man ein Herzensbuch mitten auf der Frankfurter Buchmesse, Monate vor dessen Erscheinen und darf es auch noch einfach so mitnehmen? Ich sehe das jedenfalls als großen Glücksfall an, denn 'A Quiet Kind of Thunder' hat sich als fantastisches Buch herausgestellt.

I'm sure everyone has an inner monologue, but I doubt many are as wordy as mine. p 12

Oft wird die 'perfekte' Liebe wie ein Blitzeinschlag beschrieben: Man sieht die Person und weiß sofort, dass es sich um den oder die Eine handelt, man fühlt sich in deren Gegenwart elektrisiert und aufgeregt. So sind allerdings weder Steffi, noch Rhys. Die beiden scheinen von Stille umgeben zu sein - Steffi spricht nicht, weil es ihre Sozialphobie unmöglich macht; Rhys hingegen ist taub. Sie verlassen sich auf andere Sinne, ihre Gefühle und Intuition. Sie sind der ruhige Donner, den man bis ins Mark spüren kann, und gerade deswegen sind sie so außergewöhnlich. Ich habe lange keine Liebesgeschichte erlebt, die so zart, ehrlich und wunderschön ist wie in diesem Buch. Deshalb möchte ich euch auch keine Details verraten und nur sagen, dass sie euer Herz erwärmen wird.

Die Liebe ist allerdings nur ein Aspekt der Geschichte. Das Thema Diversität ist natürlich mit dem Fokus auf Steffis psychische Erkrankung vertreten, aber auch farbige Minderheiten werden auf selbstverständliche Weise mit eingebunden. Es gibt Scheidungsfamilien, die nicht bis aufs Bitterste zerstritten sind sondern einfach ihre eigene Wege gehen, was für mich genau so dazu gehört. Dabei finde ich den Kontrast zwischen den beiden Familien-Teilen wundervoll. Wie man mit Trauer umgeht wird hier ebenfalls verarbeitet, Freundschaften müssen sich beweisen und auch die Liebe zu Tieren spielt eine Rolle; gender non-conforming (entschuldigt das englische Wort) wird beiläufig mit eingebaut, als ein kleiner Junge unbedingt eine Fee sein will und das auch darf. Diese authentische Themenvielfalt hat mich tief beeindruckt und macht das Buch so realistisch, menschlich und komplex. Unsere Leben bestehen aus unzähligen verschiedenen Teilen; wir sind ein Produkt all dieser Einflüsse, und so kompliziert wie das ist, 'A Quiet Kind of Thunder' stellt es fantastisch dar.

Dieses Buch wird so vielen Menschen helfen, denn es gibt jedem das Gefühl, verstanden zu sein, der wie Steffi unter schwerer sozialer Angst leidet oder regelmäßig von seinen Sorgen überwältigt wird. Auf der anderen Seite zeigt es Nicht-Betroffenen, was es wirklich bedeutet mit dieser Krankheit zu leben und wird hoffentlich zu mehr Verständnis, Akzeptanz und Hilfsbereitschaft führen. Außerdem bekommt man einen Einblick in die Welt der Menschen, die sich über Zeichensprache verständigen. Gerade für jemanden, der vorher fast nie damit in Berührung gekommen ist, waren das völlig neue und faszinierende Eindrücke und man möchte am liebsten gleich einen passenden Kurs belegen.

Falls ihr Bedenken wegen der Sprache habt: das Englisch lässt sich unglaublich leicht lesen, weil es sehr modern und aktuell ist. Außerdem sind alle Charaktere so realistisch gezeichnet, dass sie genau so in diesem Moment in Großbritannien herumlaufen könnten. Dieser Eindruck wird durch verschiedene abgebildete SMS, Chats und handgeschriebene Konversationen (die mit verschiedenen Schriftarten und teilweise auf 'liniertem Papier' dargestellt werden) nur noch verstärkt und macht das Buch perfekt für unsere Generation.

Was mir aber am besten gefallen hat ist die realistische Art, die ich schon erwähnt habe. Die Geschichte ist außergewöhnlich aber trotzdem irgendwie normal, nicht künstlich heroisch oder herzzerreißend sondern eher wie die Erlebnisse einer Freundin, die sie dir erzählt. Und genau deswegen wirkt es auf mich so berührend, hoffnungsvoll und inspirierend.

'A Quiet Kind of Thunder' ist eines dieser Bücher, die man nicht zur Seite legen kann und von denen man gleichzeitig hofft, dass sie nie enden werden. Ich habe geweint, gelitten, gelacht und gekichert, hatte Herzklopfen und -schmerzen, war frustriert, wütend, verliebt und tief in Gedanken versunken. Ich liebe dieses Buch. Es hat mich auf eine Weise berührt wie kein anderes im letzten Jahr, und deshalb ist es auch neben Wind, Sand and Stars mein Higlight aus 2016.



Vielen Dank an Macmillan für dieses einzigartige Rezensionsexemplar!

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