Rezension: Wolfsbaum – Mia Faber

by - 29 November


Titel: Wolfsbaum | Autor: Mia Faber | Verlag: Valkyren Verlag | Seitenzahl: 80 | Leseprobehier



Zu einer Zeit, da der Glaube der Druiden vergeht und die alten Götter in Vergessenheit geraten, zweifelt Morgan an seiner Bestimmung. Die Tage des jungen Bauern aus Wales sind angefüllt mit Eintönigkeit und Arbeit. Doch als Banditen seinen Hof überfallen und er Morrígan schmäht, belegt die Kriegergöttin ihn mit einem Bann. Um diesen zu brechen, muss er den Spuren eines Wolfes folgen. - Die Vorgeschichte einer irischen Sage.
Quelle: Verlag


Nachdem mir Im Glanz der Welten schon super gefallen hat, durfte auch der zweite Titel aus dem Valkyren Verlag bei mir Einzug halten! Da ich keinen E-Book Reader besitze und es bisher kein Print-Exemplar von Wolfsbaum gibt, habe ich das Buch einfach auf dem Handy gelesen. Das ist vielleicht nicht das ultimative Leseerlebnis; konnte mir aber trotzdem die Aufenthalte in der Straßenbahn versüßen. Zudem ist die Geschichte wirklich kurz und damit perfekt für die Momente geeignet, in denen man nicht so viel Zeit hat. Vermeintlich langweilige Strecken gingen wie im Flug vorbei!


Wolfsbaum beginnt mit einer echten walisischen Sage, die sich um die Entstehung des Ortes Beddgelert in Snowdonia im walisischen Nordwesten rankt. Kurz vor ihrem Ende wird die Legende jedoch unterbrochen und es stellt sich heraus, dass eine Großmutter sie ihrem Enkelsohn zum Einschlafen erzählt hat. Diese Rahmenhandlung wird am Ende des Buches mit den letzten Sätzen und einem erneuten Blick auf Großmutter und Enkel abgeschlossen. Ich konnte allerdings nicht widerstehen und habe schon vorher die Geschichte gelesen, wie sie auf der alten Steintafel in Beddgelert zu finden ist. Wer das Buch unvoreingenommen lesen möchte sollte das vielleicht nicht machen, aber ich lasse euch trotzdem den Link zur offiziellen Beddgelert Seite da! Zur walisischen Atmosphäre tragen außerdem keltische Wörter und deren deutsche Bedeutung an den Kapitelanfängen bei, wie zum Beispiel Dair - Eiche.

Nachdem man also in Stimmung ist, geht es um den eigentlichen Protagonisten von Wolfsbaum: Morgan lebt gemeinsam mit seiner Großmutter auf einem Gehöft und ist unzufrieden mit sich und der Welt. Dabei wurde er wirklich realistisch dargestellt: er ist jung, arrogant, unsicher und damit nicht unbedingt ein Lieblingscharakter, aber genau das nimmt man ihm auch ab. Ebenso gut getroffen war seine Transformation durch den Bann der Kriegergöttin. Morgans veränderte Wahrnehmung, die Verwirrung und neuen Gefühle haben diese ungewöhnliche Situation auch für den Leser greifbar gemacht. Auch Morrígans außergewöhnlicher Charakter, der wie sie selbst zwischen Mensch und Tier wandelt, war ebenfalls absolut treffend präsentiert.  Manchmal wurde die Detailgenauigkeit allerdings ein wenig zu dominant; beispielsweise wird die Bedeutung einiger Szenen genau beschrieben, obwohl es eigentlich keiner Erklärung bedarf.

Im Laufe der Geschichte entwickelt sich Morgan tatsächlich langsam aber sicher weiter, versteht wie er sich verhält und versucht sich zu bessern. Ein bisschen Romantik gehört auch dazu, steht aber auf angenehme Weise nicht im Fokus. Auch wenn es eine Weile dauert, kann man ihn schließlich doch noch respektieren und sogar ins Herz schließen. Ich persönlich fand es außerdem unglaublich spannend, wie die alte walisischen Sage und deren Held, Gelert, in dem Buch eingebunden und mit Morgans Geschichte kombiniert werden. So bekommt man eine völlig neue Sicht auf die Legende und wird daran erinnert, dass selbst in Stein gemeißelte Worte nicht unbedingt die einzige Variante einer wichtigen Erzählung sind.


Wolfsbaum bietet eine andere Perspektive auf die alte Sage um Beddgelert und entführt in die magische, wilde Schönheit von Wales. Mit realistischen Charakteren, einem wandelbaren Protagonisten und einer spannenden Handlung ist das verhältnismäßig kurze Buch eine tolle Unterhaltung für zwischendurch. Auch dieser Titel aus dem Programm des Valkyren Verlages hält das Versprechen für Geschichten, die in erfrischend andere Welten entführen. 



an den Valkyren Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

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