Rezension: Club der roten Bänder – Albert Espinosa

by - 07 November


Titel: Club der roten Bänder | Autor: Albert Espinosa | Verlag: Goldmann | Seitenzahl: 224 | Übersetzt von: Sonja Hagemann




Albert Espinosa ist vierzehn Jahre alt, als er an Knochenkrebs erkrankt. Doch statt zu resignieren, nimmt er den Kampf gegen die Krankheit auf. Mit fünf anderen „Todgeweihten“ gründet er den Club der roten Bänder. Gemeinsam finden sie heraus, wie Glücklichsein wirklich geht. Albert ist davon überzeugt, dass eine Glücksakte viel wichtiger ist als eine Krankenakte mit Fieberkurve. Als sein Bein amputiert werden muss, veranstaltet er eine Abschiedsparty für das Bein. Seine Glücksregeln stecken voller Humor und Optimismus und zeigen: Glück, das nicht auf der Hand liegt, sondern sich erst auf den zweiten Blick zeigt, ist dafür umso intensiver. 


Dieses Buch haben Jule, Sandra und ich am Anfang des Jahres von der Leipziger Buchmesse mitgenommen da es uns wirklich interessiert hat, aber irgendwie durfte sich der Club jetzt erst von unseren SuBs befreien. Umso schöner war es, dass wir drei es gemeinsam nach der Frankfurter Buchmesse lesen konnten!


»Gegen den Krebs hilft kein Buch [...] Deshalb fand ich es viel interessanter, ein Buch darüber zu schreiben, was der Krebs mich gelehrt hat - und wie man das auf das tägliche Leben anwenden kann.« S. 19-20

Es ist wichtig zu wissen dass dieses Buch keine klassische Geschichte ist. Vielmehr besteht es aus den Erfahrungen, die Albert Espinosa von seinem vierzehnten bis vierundzwanzigsten Lebensjahr gemacht hat - 10 Jahre im Kampf gegen den Krebs. Er spricht von seinen Inspirationen, wie zum Beispiel einem Gedicht, dessen inhaltliche Struktur er auf sein Buch überträgt (was mir als Literaturmensch natürlich gut gefallen hat). Den Hauptteil bilden aber "23 Entdeckungen", die er als besonders wichtig und hilfreich erachtet. Sie handeln von  Verlust oder Schmerz, aber auch Glück und Gewinn; und schnell wird deutlich dass dieser Mensch so viel erlebt und erduldet hat, aber niemals seine Lebensfreude erlöschen ließ.

Für mich sind diese Erzählungen so besonders, weil sie uns Leser hinter die "Krebs-Geschichte" blicken und die Krankheit hinter sich lassen. So wird der Fokus von den traurigen Aspekten genommen und auf etwas Positives gerichtet. Wir lernen stattdessen die Gedanken des Menschen dahinter kennen und erleben, auch wenn wir das vorher vielleicht schon wussten, dass ein Dauerpatient mehr ist als nur seine Krankheit.


Menschen wie Albert Espinosa haben nicht nur eine aufwühlende medizinische Geschichte zu erzählen, sondern vielmehr nützliche Erfahrungen und Erkenntnisse zu teilen. Aus allem was sie erlebt haben kann jeder etwas lernen, und das ist vielleicht das Wichtigste an diesem Buch. Natürlich machen schwer-kranke Menschen sehr unterschiedliche Dinge durch, aber am Ende erlebt jeder die Welt auf eigene Weise - und doch ist was wir lernen irgendwie gleich. Das Leben verbindet uns alle, egal ob wir krank sind oder nicht.

Innerhalb der kompakten und leicht zu lesenden Kapitel werden oft Die Gelben erwähnt und ihre Wichtigkeit betont, aber erst am Ende bekommt man eine Erklärung zu dieser Idee. Für Espinosa stehen Gelbe zwischen Freunden und Partnern, kommen und gehen ohne Bindung und verändern unser Leben auf eine ganz besondere Weise. Dabei habe ich trotzdem nicht ganz verstanden, was genau dahinter steht. Ich glaube sein Konzept ist ein sehr persönliches, dass man nur schwer auf eine Ebene bringen kann die für jeden passt. Es hat mich mehr verwirrt als etwas gelehrt; und dadurch hat sich das Buch zum Ende hin etwas gezogen.

Generell ist natürlich kein großartiger Spannungsbogen vorhanden, aber das muss es auch gar nicht. Dafür gibt es ja die gleichnamige Fernsehserie, von der ich euch auch bald mehr Einzelheiten erzählen möchte. Ich konnte auf jeden Fall viel aus der Gedankenwelt von Albert Espinosa mitnehmen und werde das Buch sicher hin und wieder lesen, um zu sehen wie sich meine Ansichten verändern und vor allem noch mehr von diesem großartigen Menschen zu lernen.


Club der roten Bänder hat mich immer wieder zum Lächeln und Nachdenken gebracht. Ich konnte mich in fast allen Ansichten von Albert Espinosa wiederfinden und wurde nicht selten emotional. Nur der Teil zu den Gelben konnte mich nicht ganz erreichen, aber vielleicht ändert sich das ja in der Zukunft noch. Die Entdeckungen waren jedenfalls erfrischend und ehrlich, aber auch stärkend und hoffnungsvoll. Das Buch ist wie eine Brücke von 'kranken' zu 'gesunden' Menschen, oder vielmehr ein strahlend gelber Bulldozer, der die Grenzen zwischen den beiden Gruppen einreißt. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!

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6 Kommentare

  1. Oh Sandy, der Aspekt, dass wir es in Leipzig auf der Messe alle bekommen haben und es in Frankfurt auf der Messe alle gelesen haben, den habe ich ja gar nicht bedacht und irgendwie ist das schön, dass du mir nun genau das ins Gedächtnis gerufen hast. :) Ist irgendwie richtig toll, wenn man genauer drüber nachdenkt. ♥

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    1. Das finde ich auch! :) Buchmessen verbinden eben genau wie Bücher selbst ❤

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  2. Ich bin ein großer Fan der Serie und als ich das Buch in der Bibliotek gesehen habe, musste ich es einfach ausleihen, da ich einfach mehr über Albert Espinosas Ansichten, seine Geschichte und überhaupt den Mann hinter der ganzen Serie, erfahren möchte.
    Deine Rezension hat mich nur darin bestätigt, dass ich das Buch jetzt so schnell wie möglich anfangen muss zu lesen und hat mich wahnsinnig neugierig gemacht

    Liebe Grüße
    Lydia

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    1. Danke Lydia, das freut mich total! Ich mag das Buch auch so weil es nicht die klassische das-ist-mir-passiert-Geschichte ist sondern zeigt, wie er damit umgeht. Seine Art zu Denken ist einfach großartig und ich hoffe, es gefällt dir auch. :) Liebe Grüße!!

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    2. Habe es jetzt gelesen und fand es wirklich echt gut, hätte mir zwar manchmal mehr biographisches gewünscht und mir war z.b. das mit den gelben nicht so schlüssig. Aber abgesehen davon fand ich seine Sicht auf die Dinge einfach toll und bewundernswert und bei vielem hat er wirklich recht.

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    3. Das mit den Gelben hat bisher niemand den ich kenne so richtig verstanden. :D Ich glaube das ist einfach ein Konzept, das für ihn persönlich Sinn macht aber nicht so leicht zu erklären ist. Beim Rest ging es mir auch wie dir, man kann wirklich Einiges von ihm lernen!

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