Blogtour: Interview mit den Übersetzerinnen – Die (beinahe) größte Liebesgeschichte des Universums - BlackTeaBooks

Blogtour: Interview mit den Übersetzerinnen – Die (beinahe) größte Liebesgeschichte des Universums

23 November



Herzlich Willkommen zum Abschluss der Blogtour!


In den letzten zehn Tagen drehte sich auf unseren Blogs alles um "Die (beinahe) größte Liebesgeschichte des Universums" und die dazu passenden nerdigen Themen. Falls ihr jetzt erst einsteigt, findet ihr » hier « meine Rezension mit allen wichtigen Infos zum Buch. » Hier « kommt ihr außerdem zur Übersicht, die euch zu den bisher erschienenen Beiträgen der Blogtour führt. Ich kann sie euch nur ans Herz legen, denn die Mädels haben sich wirklich ins Zeug gelegt!

Heute bin ich dran und darf euch endlich verraten, was meine mysteriöse Beschäftigung am Samstag-Mittag auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse gewesen ist: Ich habe die beiden Übersetzerinnen der Beinahe größten Liebesgeschichte getroffen! Sandra Knuffinke und Jessika Komina sind zusammen "KuK-Übersetzungen" und wandeln erfolgreich vier verschiedenen Sprachen ineinander um. Auf ihrer Website findet ihr die wichtigsten Infos zu den beiden sowie zwei weitere tolle Interviews, die sie mit Damaris Liest und Dreampages of Books geführt haben.

Im Rahmen dieser Blogtour hatte ich also die Möglichkeit, eine halbe Stunde lang am Magellan-Stand mit den beiden zu plaudern. Dabei habe ich versucht, eine Mischung aus möglichst spannenden buchspezifischen und allgemeinen Fragen zu stellen. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und hoffe, ihr findet die Antworten ebenso interessant wie ich!

BTB = BlackTeaBooks
KuK = Beide zusammen
J = Jessika
S = Sandra


Jessika | Ich | Sandra


BTB: Wie seid ihr zur "beinahe größten Liebesgeschichte" gekommen, und würdet ihr euch selbst als Nerds bezeichnen? 

KuK: Der Titel wurde uns mit den Worten "Das ist was für euch!" von unserer Lektorin bei Magellan angetragen. Wir haben ja schon oft mit dem Verlag zusammengearbeitet und die schauen natürlich auch was vielleicht zu uns passt. Dann haben wir das Buch gelesen und waren direkt verliebt in die Geschichte!

Und Nerds sind wir schon, jeder in seinem Gebiet. Als Übersetzer muss man ja auch ein Bücher-Nerd sein, das bleibt gar nicht aus. Was alle Nerds gemeinsam haben ist, dass man sich gerne in Themen 'reinfuchst', wenn man alles darüber wissen will und so viel wie möglich dazu liest. Jedes Thema ist irgendwo interessant. Wir lernen bei jedem Buch etwas neu dazu, und das ist auch das Schöne an unserem Beruf.


BTB: Auf Englisch heißt das buch "THE GEEKS GUIDE TO UNREQUITED LOVE" . WIE SCHWIERIG IST ES, PASSENDE TITEL ZU FINDEN? 

KuK: Für uns gar nicht, weil wir für die Titel nämlich nicht zuständig sind. Wir dürfen manchmal Vorschläge machen oder werden gefragt und geben unsere Meinung dazu ab, aber grundsätzlich übersetzen die Übersetzer nicht den Titel; das ist Sache des Verlags. Man ist auch nicht immer gleich glücklich damit, wobei dieser hier schon sehr gelungen ist. Vielleicht anders, aber gut!


BTB: Auf Seite 139 steht in der SMS von Amelia das Wort "Sekundwen" - das könnte ja ein bewusster Schreibfehler sein, weil man sich bei aufgeregten Nachrichten schon einmal vertippt. War das tatsächlich Absicht?

KuK: Nein, aber wir sollten es vielleicht einfach so verkaufen! Das ist einfach ein Tippfehler. Obwohl wir schon zu zweit sind geht uns so etwas auch mal durch, und dann noch der Lektorin und der Korrekturleserin - manchmal bleibt es halt bis ins Buch.

Und habt ihr schon einmal Schreibfehler übersetzt, die wirklich so ins Buch gehören?

Wir hatten einmal eine Widmung bei Maggie Stiefvater... sie hatte da ein, zwei Fehler drin und die haben wir auch so übersetzt. Oder, in einem neuen Buch hat jemand ein falsch geschriebenes Tattoo: das war im Englischen You only live once mit einem 'W' davor, also You only live wonce. Bei uns steht jetzt Man lept nur einmal - Nein, mit 'h' oder? Man lehbt? Eines von beiden! Da sieht man mal unsere Gedankenprozesse. Wir schauen einfach, was im Deutschen das Äquivalent wäre. 


BTB: Jetzt eher eine allgemeinere Frage: Was ist euer lustigstes Erlebnis aus dem Übersetzerinnen-Alltag?

KuK: Oh, es ist schwierig da eins zu nennen, wir haben eigentlich immer so viel Spaß... Vom Fliegengitter haben wir schon einmal erzählt (Edit: Hier nachzulesen), oder der Staubsauger war dann mal ein Staunsauger. Wir lachen uns ständig miteinander kaputt. Das ist das tolle am zu zweit sein; wenn eine von uns mal einen ganz schlimmen Schnitzer findet, schreiben wir auch absichtlich dort ein Kommentar und sagen Den lass ich dir mal stehen, damit du dich auch totlachen kannst. Wenn das im Zug passiert gucken die Leute schon mal komisch, aber wir haben viel Spaß!


BTB: Vielleicht noch etwas zu den Anfängen des Berufs: Wie fasst man in der Branche Fuß und kommt eventuell zu einem ersten Auftrag? 

KuK: Es ist unterschiedlich... wir haben ja Literaturübersetzung studiert, und deswegen wussten wir schon dass wir in dem Bereich gern bleiben würden. Ein Verlagspraktikum ist kein schlechter Anfangspunkt; das haben wir auch beide gemacht und so sind wir tatsächlich an diese ersten kleinen Aufträge gekommen. Die waren allerdings nicht literarisch, eher pädagogisch, und am Ende muss man einfach Kontakte knüpfen. Dann gehört auch noch Glück dazu, dass zufällig jemand gerade in dem Bereich etwas sucht wo man gerade kurz auf der Messe vorgesprochen hat... Unter Umständen dauert es wirklich eine Weile bis man da einen Fuß in die Tür kriegt. Bei uns ging es noch relativ schnell; wir hatten Glück dass dieser erste größere literarische Auftrag, Maggie Stiefvater mit Nach dem Sommer, kam. Das war dann recht erfolgreich und mittlerweile fragen die Verlage uns an; das ist auch ganz schön.


BTB: Roxy möchte ja die Frage "Wie ist es, in diesem Business als Frau zu arbeiten" niemals gestellt bekommen. Wurdet ihr das auch schon einmal gefragt?  

KuK: Nein, das nicht. Wie werden eigentlich ständig gefragt wie es ist zu zweit zu übersetzen, aber das kann man ja auch verstehen. Aber die Frage geht gar nicht, oder? In unserem letzten Buch spielt die Protagonistin Fußball und es sagt auch jemand Oh das ist ja so unmädchenhaft. Sie meint nur Oh, guck mal, Fußball spielt man ja mit den Füßen - und ich habe auch Füße! Hoffentlich ist es irgendwann einmal soweit, dass man Du bist eine Frau und machst das und das? gar nicht mehr hört...


BTB: Geratet ihr manchmal unter Zeitdruck? 

KuK: Ja, eigentlich ziemlich oft, und man weiß von vornherein, dass man nicht so viel Zeit hat wie man sich das wünscht. Am Anfang muss man zum Beispiel erst in den Text reinkommen, da geht es nicht so schnell voran. Wir haben Ende des Monats eine Abgabe und müssen nächste Woche nochmal Übersetzer-Camp machen! Man ist eigentlich nie fertig, weil man einfach immer mehr Arbeit in das Projekt stecken kann.


BTB: Habt ihr schon einmal mit Sarvenaz Tash gesprochen, bzw. wie viel Kontakt habt ihr zu den Autoren? 

KuK: Relativ wenig. Wenn sie mal zur Buchmesse kommen und man auch da ist, lernt man sie natürlich kennen. Wir haben jetzt aber nicht ihre Nummern oder so. Maggie Stiefvater haben wir zwei mal getroffen, das war sehr nett, und Sarvenaz ist es bestimmt auch falls sie mal kommt!

Sie war begeistert dass ihr "stud crumpet" mit "Gurkensandwich" übersetzt habt und sie jetzt ein tolles deutsches Wort kennt!

Hoffentlich sagt ihr jemand, dass es nicht eins zu eins übersetzt ist. Nicht dass sie dann irgendwo ein Gurkensandwich bestellt und traurig ist, kein crumpet zu bekommen! Aber so ist das eben beim Übersetzen... wir haben etwas gesucht was britischer ist; crumpet kennt man ja schon kaum und stud crumpet ist eigentlich unmöglich. Gurkensandwich ist auch lustig, so kann man gut Leute nennen!


BTB: Lest ihr manchmal Rezensionen zu den von euch übersetzten Büchern und wenn ja, was geht dabei in euch vor? 

KuK:
Ja, und wir hatten auch eine Zeit lang so einen Google Alert eingerichtet, aber inzwischen sind es einfach zu viele Rezensionen dafür. Magellan sammelt die auch toll, da lesen wir immer mal nach. Es ist schön wenn man auch erwähnt wird, das wird man ja nicht in jeder, und wenn es positiv ist, noch besser.

Bekommen Übersetzer zu wenig Anerkennung? Ihr habt ja auch viel Arbeit an den Büchern.

Es ist schon teilweise so dass wenn der Übersetzer erwähnt wird es eher negativ ist. Oft wird auch die Sprache gelobt, aber wir nicht explizit erwähnt, obwohl man hätte sagen können 'Okay, da hat bestimmt auch die Übersetzung mit reingespielt'.

Also seht ihr es auch als Kompliment an euch wenn jemand sagt 'Der Schreibstil war toll'?

Irgendwie schon, ja. Wir finden es einfach schön wenn das Buch als fertiges Produkt gut ankommt und wissen, wir haben da unseren Anteil dran gehabt. Besser als wenn gesagt wird 'Das ist aber nicht gut übersetzt'... Uns ist das bisher noch nicht passiert, aber da hat man natürlich ein bisschen Sorge. Man hat das mit den Übersetzern auch einfach nicht so auf dem Schirm. Da liest man ein Buch und es ist eben irgendwie auf Deutsch - und das ist ja auch schön. Wenn man nicht merkt was eigentlich die Ausgangssprache ist, das ist eigentlich das schönste Kompliment. So unsichtbar soll es ja auch sein, nur manchmal hätte man natürlich trotzdem gerne Anerkennung. Wir waren zum Beispiel für Halbe Helden beim Deutschen Jugendliteraturpreis explizit mit-nominiert. Wir haben zwar nicht gewonnen und waren letztendlich ein bisschen froh dass wir nicht auf die Bühne mussten, aber es war schon schön dass sie einen mit einbeziehen, das ist ja auch nicht immer so.


BTB: Was ist euer Lieblingswort aus all den Sprachen, die ihr kennt?

S: Oh, ich hab' gar keins... das kann ich wirklich nicht sagen!
J: Also im Deutschen finde ich Kleinod total schön. Im Englischen ist das tolle, dass es wirklich für alles ein Wort gibt, wie stud crumpet - auch wenn man es vielleicht nicht übersetzen kann. Holländisch ist ja wie ein niedliches Deutsch; Schade heißt da zum Beispiel jammer. Manchmal liest man auch etwas beim Text der Anderen und denkt, tolles Wort!
S: Oh ja, solche Momente haben wir eigentlich öfter mal.
J: Oder Wortschöpfungen...
S: Wie deine Blöd-Birnen-Brigade! *Beide lachen* Die waren gut, hat sie kürzlich erfunden.


BTB: Lest ihr noch privat?  

Wir lesen beide nicht so viel wie wir gern wollten... es gibt Phasen, da schafft man sehr viel und freut sich, und dann gibt es Monate in denen man vielleicht ein Buch beendet. Wir lesen ja quasi den ganzen Tag sehr intensiv und manchmal braucht man abends einfach eine Serie. Bei uns ist es auch so dass wir ein bisschen Sprache tanken wollen. Man muss immer mal wieder gute Sachen auf Deutsch lesen, um etwas Input zu bekommen. Dann sieht man ein paar schöne Wörter und denkt sich, das könnte ich auch verwenden! Manchmal merkt man es auch beim Übersetzen und will sein Englisches Buch weglegen, weil man irgendwie mehr im Fluss ist wenn man parallel etwas Deutsches liest.


BTB: Wo seid ihr lieber, England, Frankreich oder in den Niederlanden?

Am allerliebsten in England. Es lässt sich schon schwer vergleichen, aber England ist wohl unser beider Favorit. Großbritannien ist so schön, uns gefällt auch das Klima wenn es grün und weniger heiß ist, die Leute sind einfach so nett und selbst-ironisch und höflich. Aber die Niederländer und Franzosen sind auch toll! Wenn wir mal wieder in Frankreich sind, ist es auch gleich wieder wie zu Hause. Wir haben während des Studiums beide ein halbes Jahr dort gewohnt, und eigentlich ist es in jedem Land so. Wenn man dort ist, ist man wieder ganz begeistert und weiß, warum man sich die Sprache rausgesucht hat. Aber England ist irgendwie schon noch ein Stückchen... naja, wenn man sich etwas aus den tollen Aspekten der ganzen Länder zusammen-puzzeln könnte, das wäre am schönsten.


QUICKFIRE FIVE

Im Anschluss an das Interview habe ich den beiden noch fünf Quickfire-Fragen gestellt. In so einer Schnellfragerunde zählt die Intuition und man muss - logisch - so schnell wie möglich antworten!


1. Leipziger oder Frankfurter Buchmesse?
    Beide: Frankfurt

2. Sean Bean als Boromir oder Ned Stark?
    Sandra: Boromir
    Jessika: Ned Stark

3. Pride and Prejudice oder Sense and Sensibility?
    Beide: Pride and Prejudice

4. Amelia oder Roxy?
    Beide: Amelia

5. Stud crumpet oder Gurkensandwich?
    Beide: Gurkensandwich! Was für eine Frage! *lachen*


Es ging zwar um die Intuition, aber ein paar Anmerkungen, die natürlich aufkamen sobald die beiden kurz über die Fragen nachdenken konnten, möchte ich euch nicht vorenthalten:

Zu 1.: Damit tun wir Leipzig wahrscheinlich total unrecht, wir fahren nur nie hin weil es zu weit und logistisch einfach unpraktisch ist. Wir waren schon einmal da und es war auch total schön. Nichts gegen die Leipziger Buchmesse! Wir haben uns auch sogar erst gesagt, dass wir eigentlich mal wieder hin müssten. Vielleicht sagen wir nächstes Mal dann Leipzig!

Zu 3.:  Mr. Darcy, hallo? Obwohl... die sind alle toll.

Zu 4.: [Eventuelle Spoilergefahr; markiert den Absatz wenn ihr mehr wissen wollt] Es ist ja auch ein bisschen unfair für Roxy...  so toll wie sie geschildert wird kann man ja gar nicht sein. Sie hat eigentlich alles gut gelöst und kann nichts dafür... aber Amelia war irgendwie cool!



GEWINNSPIEL

Und natürlich gibt es auch bei mir noch eine Gewinnspielfrage! Ihr habt die Chance auf eins von zwei Exemplaren von "Die (beinahe) größte Liebesgeschichte der Welt". Dazu braucht ihr das Lösungswort, dass sich aus zehn Buchstaben zusammensetzt, die ihr unter jeder Station der Blogtour erraten könnt. Das Gewinnspiel läuft bis zum 27.11.2016; die übrigen Teilnahmebedingungen erfahrt im Text des unten stehenden Gewinnspiel-Formulars. Ihr fleißigen Geeks habt sicher schon die ersten neun Buchstaben zusammen, aber um sicherzugehen dass euer Lösungswort auch richtig ist, müsst ihr die letzte Frage beantworten:

Welchen Anfangsbuchstaben teile ich mir mit einer der beiden Übersetzerinnen?

Ich wünsche euch viel Spaß und Glück beim Gewinnen! Danke an den Magellan Verlag für die schöne Zusammenarbeit, KuK-Übersetzungen für das tolle Gespräch, und an meine lieben Mit-Blogtour-Teilnehmer und natürlich euch Leser für die (beinahe) größte Blogtour des Universums :) 





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5 Kommentare

  1. Was ein schöner Abschluss unserer Blogtour!
    Irgendwie schade, dass jetzt alles wieder vorbei ist :)

    Liebst, Meike

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  2. Hallo,
    ein tolles und sehr interessantes Interview.

    lg, Jutta

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  3. Liebe Sandy,
    das Interview ist dir absolut gelungen! Normalerweise bin ich nicht so der Fan von Interviews, aber das hier ist tatsächlich nicht nur sehr interessant, sondern auch sehr lustig - die beiden sind mir sofort sympathisch. Da mag ich das Buch gleich noch mehr. :-) Ein sehr schöner Abschluss unserer Blogtour!

    Liebe Grüße,
    Jess

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  4. Liebe Sandy,

    ein ganz tolles Interview. Es ist wirklich spannend auch mal die Sicht der Übersetzerinnen zu betrachten. Leider gehen sie ja oft unter, obwohl sie so viel Arbeit leisten.

    Dein Blog ist richtig toll :) Landet direkt mal auf meiner Bloglovin' Liste.

    Viele liebe Grüße
    Nanni

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  5. Ihr Lieben, vielen Dank für all eure tollen Kommentare! Sie bedeuten mir wirklich viel ❤

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