Rezension: Sleeping Giants – Sylvain Neuvel - BlackTeaBooks

Rezension: Sleeping Giants – Sylvain Neuvel

13 Mai


Titel: Sleeping Giants
Autor: Sylvain Neuvel
Verlag: Penguin Randomhouse UK
Seitenzahl: 304
Reihe: Band 1 der Themis Files

Kaufen?




Klappentext:
Deadwood, USA. A girl sneaks out just before the dark to ride her new bike. Suddenly, the ground disappears beneath her. Waking up at the bottom of a deep pit, she sees a rescue team above her. The people looking down see something far stranger...The girl grows up to be Dr. Rose Franklyn, a brilliant scientist and the leading expert on what she discovered: an enormous, ornate hand made of an exceptionally rare metal, predating all human civilisation on earth. An object whose origins and purpose are perhaps the greatest mystery humanity has ever faced. Solving the secret of where it came from could change life as we know it.

Das Buch und ich:
Sleeping Giants wurde im Rahmen der "Let's read in English"-Challenge bei Lovelybooks vorgestellt und konnte mich mit diesem absolut fantastischen Cover und dem vielversprechenden Aufbau sofort faszinieren. Der Klappentext hat gerade so viel hergegeben, dass ich es dank meiner kleinen Schwäche für Science und Sci-Fi unbedingt lesen musste!

Meine Meinung:
Bücher ausschließlich aus Interviews, Berichten, Tagebucheinträgen oder Transkriptionen von Gesprächen zu konstruieren wird immer beliebter - die Buchvorlage des Oscar-Gewinnerfilms The Martian ist zum Beispiel so aufgebaut. Für mich war Sleeping Giants aber die erste Geschichte dieser Art; ich wusste also nicht genau was mich erwarten würde und war ehrlich gespannt. Die Form ist wirklich originell und lässt uns nicht direkt in die Köpfe der Charaktere schauen, so wie wir das vielleicht gewohnt sind. Man sollte auf jeden Fall bereit sein, sich darauf einzulassen und als Leser ein wenig gefordert zu werden. Für mich lag gerade hier der Reiz, denn obwohl es natürlich auch viele Emotionen gibt und man nicht völlig allein gelassen wird, kann man doch nie sicher sein ob die eigene Interpretation der Wahrheit entspricht. Diese Balance zwischen seriösen Akten und verschiedenen Gefühlen war für mich perfekt. Die sachlichen Aspekte sind realistisch und logisch; die Emotionen lockern dafür das Ganze ein wenig auf. Eine sehr angenehme Mischung!

Außerdem wirft die Form selbst weitere Fragen auf, denn die Reihe heißt nicht umsonst "Themis Files". Warum gibt es überhaupt so eine Sammlung? Ist es vielleicht ein fehlgeschlagenes Experiment, dessen Scheitern wir jetzt miterleben? Beim Durchblättern fällt außerdem die lückenhafte Nummerierung der Berichte auf, auch wenn das keinen Einfluss auf das Verständnis beim Lesen hat. Nur, warum bekommt man nicht alle Akten zu sehen? Das zu erfahren wird auf jeden Fall spannend.

Zentraler Gegenstand des Buches ist ein spektakulärer Fund, der das Potenzial hat einfach alles zu verändern. Dabei wird die Geschichte von allen möglichen Standpunkten beleuchtet und man erlebt, was für große Entscheidungen hinter so einer Entdeckung stehen. Wie wiegt man das Leben Einzelner gegen das Große Ganze auf? Wer entscheidet darüber? Wie weit darf man zum Wohle der Wissenschaft gehen? Es sind extrem interessante und schwierige Fragen, die zum Nachdenken anregen und wohl niemals eindeutig beantwortet werden können.

Mit der spannenden Entwicklung des Fundes erfährt man mehr über wissenschaftliche Dinge, aber auch zwischenmenschliche Beziehungen, politische Konstellationen und mythische Geschichten machen dieses Buch lebendig. Man begleitet die Charaktere, rätselt, leidet und freut sich mit ihnen; man wird schockiert, überrascht und mitgerissen von diesen außergewöhnlichen Ereignissen. Neben den Protagonisten Kara, Ryan und Vincent ist mir besonders der namenlose Interviewer, der die Gespräche in den Akten führt, sehr ans Herz gewachsen. Er ist eine faszinierende Figur und erinnert mich ein bisschen an Sherlock Holmes - ein Mastermind, der sogar hinter den Kulissen noch Fäden zieht. nur mit etwas mehr Menschlichkeit. Seine größte Fähigkeit, die eigenen Emotionen zu erkennen und sie sich nach Belieben zu Nutzen machen oder sie in den Hintergrund zu stellen ist sehr beeindruckend und macht ihn, zusammen mit seinem ausgeprägten, logischen Denken und gelegentlichem Sarkasmus, zu einem meiner absoluten Lieblingscharakteren.

Nur wenige Punkte haben mich beim Lesen skeptisch gemacht. Manchmal hätte ich mir für ein, zwei Aspekte nähere Beschreibungen gewünscht, da sie so unnötiger Weise etwas zweifelhaft wirkten. Außerdem sind manche Charaktere für meinen Geschmack zu schnell in eine bestimmte Rolle gerutscht; das kann aber auch daran liegen, dass wir durch die Berichtform eben doch nicht jedes Detail erfahren. In einem 'normalen' Buch wäre es schon eine tolle Geschichte geworden, und dieser Aufbau macht sie noch einmal zu etwas ganz besonderem. Man hat das Gefühl noch lange nicht alles zu wissen und die Vermutung, dass einige Informationen für Plot Twists bewusst enthalten werden könnten. Ich bin gespannt ob man in den folgenden Bänden etwas erfährt, dass eventuell die bisherige Handlung in ganz anderem Licht erscheinen lassen wird.

Auch der Epilog hat es nochmal in sich, wirft hunderte neue Fragen auf und lässt die Leser mit dem Wunsch nach mehr zurück. Es ist ein schöner, spannender Cliffhanger und macht das Warten auf den nächsten Band viel, viel schwerer!

Fazit:
Sleeping Giants ist durch Inhalt und Form ein außergewöhnliches Buch. Es war eine ganz neue Art Geschichten zu entdecken, was sehr viel Spaß gemacht hat. Sie hat mich mitgerissen, begeistert und zum Nachdenken gebracht. Wer etwas Abwechslung sucht und sich für Sci-Fi interessiert, ist hier an der richtigen Stelle. Klare Leseempfehlung!

4 / 5 Black Tea Cups 
Vielen Dank an Penguin UK und Lovelybooks für dieses Rezensionsexemplar!

Das könnte dir auch gefallen

0 Kommentare

Tee-Empfehlungen