Rezension: Die Seiten der Welt - Nachtland – Kai Meyer

by - 09 April


Titel: Die Seiten der Welt - Nachtland
Autor: Kai Meyer
Verlag: Fischer FJB
Seitenzahl: 592

Kaufen?

Websiteseiten-der-welt.de


Klappentext:
Immer tiefer dringt Furia in die magische Welt der Bücher vor. Das phantastische Reich mit seinen uralten Bibliotheken und Geschichten wird von den tyrannischen Drei Häusern regiert. Von einem geheimen Ort aus, dem Sanktuarium, herrschen sie über die Geschicke aller Bibliomanten und Exlibri. Doch Furia und ihre Gefährten leisten Widerstand. Um ihre Welt von den Unterdrückern zu befreien, begeben sie sich auf die gefährliche Suche durch die verborgenen Refugien nach dem Zentrum der Macht – und stoßen auf das größte Geheimnis der Bibliomantik.

Das Buch und ich:
Diese lang erwartete Fortsetzung hat mich unter dem Weihnachtsbaum begrüßen dürfen, und da auch der dritte Teil bald darauf erschienen ist war mein Plan perfekt: Band Eins noch einmal lesen, die Reihe ohne weiteres qualvolles Warten beenden und auch die letzten zwei Bücher auf der Buchmesse signieren lassen. Das hat zu einigen Teilen ganz gut geklappt, nur hat mir der ungeliebte Alltag etwas dazwischen gefunkt und ich musste Nachtland noch ungelesen zur LBM mitnehmen. Zum Glück war mir Kai Meyer da nicht böse, im Gegenteil, er kennt das sogar selbst! Und jetzt, da ich das Buch beendet habe, bin ich ausnahmsweise froh über diesen Ablauf. Die PBD (Post-Book-Depression) hätte ich nie ein Jahr ausgehalten, denn dagegen hilft nur eins: weiterlesen! Band 3 liegt griffbereit neben mir - natürlich konnte ich nicht widerstehen und bin schon mittendrin -, aber vorerst muss ich euch von Nachtland erzählen.

Meine Meinung:
Dieses Buch ist eine einzige, fantastische Reise - anders kann man es nicht nennen. Nachdem Furia eher unvorbereitet in den Kampf gegen die Adamitische Akademie geraten ist, hat sie jetzt mehr Selbstvertrauen, Erfahrungen und größere Kräfte gesammelt. Das ist auch dringend notwendig, denn ihre Gegner sind noch lange nicht besiegt und auch der Widerstand ist vor Zweifeln und Meinungsverschiedenheiten nicht immun.

Wie auch im vorigen Band werden die Charaktere nicht zimperlich behandelt, doch es gibt neben schmerzhaften Abschieden auch wunderbare neue Bekanntschaften. Mit Isis und Duncan tritt zum Beispiel ein neues Team auf den Plan, das auch Leser die nicht mehr im Teenager-Alter sind auf eine völlig neue Art und Weise anspricht. Ihre Sichtweisen auf die Probleme der bibliomantischen Welt sind erwachsener, aber nicht weniger interessant oder nachvollziehbar und somit eine geniale Bereicherung für diese Geschichte.

Was ich so an den Seiten der Welt-Büchern liebe ist, dass jeden Charakter etwas Besonderes auszeichnet. Ob mutige Widerstandsheldin, liebenswerter Exlibro, fieser Bösewicht oder nicht einzuordnender Schöpfer; egal was man von ihnen halten mag - jeder gehört dazu und irgendwie schließt man sie alle ins Herz.

Auch die Exlibri haben es mir also angetan. Figuren aus anderen Geschichten mit einzubeziehen ist zwar keine neue Idee, aber sie gefällt mir immer wieder unglaublich - es hat mich etwas an mein geliebtes Wo Drachen Sind erinnert - und die Exlibri sind noch einmal ein ganz besonderer Haufen. Ihr Konzept ist anders als all das, was ich bisher in dieser Richtung kennen gelernt habe, und bringt mich wie Furia zum Nachdenken. Wäre es besser für sie, gar nicht erst in dieser Welt gelandet zu sein? Wer hat das Recht, darüber zu entscheiden? Und was, wenn wir selbst nur Figuren in einem Buch sind? Neben viel Spannung werden also auch faszinierende Ideen durcheinander gewirbelt, die ernsthaft zum Nachdenken anregen. 

Da wir gerade bei Ideen sind: hier haben wir einen meiner liebsten neuen Mitspieler, die in diesen Buch auftauchen. Neben Nessandra und Patience. Und Summerbelle. Und einem Held meiner eigenen Kindheit, bei dessen Entdeckung ich mein Buch vor Freude am liebsten in die Luft geworfen hätte: Jim! Ihr seht, das alles ist furchtbar aufregend und spannend und ihr solltet dringend auf die Reise durch die bibliomantische Welt gehen, falls ihr dort noch nicht unterwegs seid.

Dass sich Nachtland für mich wie eine große Reise angefühlt hat, liegt einerseits an der hohen Seitenzahl, die mein Bücherherz höher schlagen lässt, aber auch an den unzähligen Schauplätzen. Es verschlägt unsere Helden nicht nur nach Libropolis und in die Residenz; jetzt lernen wir noch mehr magische Orte, neue und dunklere Refugien oder auch die Seiten der Welt selbst kennen. Die Beschreibungen sind wunderschön, unglaublich detailliert und man hat noch intensiver das Gefühl, selbst dabei zu sein.

Diese Lebendigkeit zieht sich durch das ganze Buch, so dass ich nicht einmal bibliomantische Tapete brauchte um alles direkt vor mir zu sehen. Es ist so viel passiert, so viel schief gelaufen, ich habe Kai Meyer oft ein kleines bisschen verflucht, mit Furia und unseren Helden gelitten, Tränen vergossen, bin schockiert gewesen, habe gelacht, mitgefühlt und blieb 1 Uhr nachts mit diesem was-fange-ich-jetzt-mit-mir-an-Gefühl zurück. Post Book Depression vom Feinsten, eben. Zum Glück wartet das nächste Buch schon auf mich!

Fazit:
Auch Band Zwei der Seiten der Welt-Reihe konnte mich völlig überzeugen. Mit einzigartigen Charakteren, verschiedenen Standpunkten, lebendigen Schauplätzen, intelligenten Fragen und viel Spannung wird man völlig an die Seiten gefesselt und taucht ein in diese bibliomantische Welt, die sich mittlerweile wie ein zweites zu Hause anfühlt.


5 / 5 Black Tea Cups 

You May Also Like

0 Kommentare