Tea Talk: Wie es sich mit weniger Social Media Zeit lebt

by - 08 Februar

Willkommen zum Tea Talk #2!

Im ersten Post dieser Rubrik hatte ich euch erzählt, dass ein spontaner Neujahrsvorsatz für mich bedeutete, eine Woche ohne Social Media zu leben. Erlaubt waren nur Kommunikationswege wie Whatsapp und Emails, da sie einfach organisatorisch wichtig sind, vieles erleichtern und ich so mit meinen Freunden in Kontakt bleiben kann, die ich leider nicht mehr oft sehe. Das war auch gar nicht Teil des Plans; mir ging es vorrangig um etwas anderes.

Das ständige Scrollen ist, was so viel meiner Zeit und Energie raubt, und das wollte ich unbedingt reduzieren. Es klingt verrückt, aber je weniger passiert, desto mehr Zeit verbringt man damit - geht euch das auch manchmal so? Egal ob instagram, twitter, tumblr oder facebook, die timelines und dashboards aktualisieren sich ständig, aber wie wichtig ist es wirklich "auf dem Laufenden" zu sein? Man springt von einer App zur nächsten, liest hier einen interessanten Artikel, entdeckt da ein nettes Video, und irgendwann kann man einfach nicht mehr damit aufhören. In jeder freien Sekunde fühlt man sich gelangweilt und greift sofort zum Smartphone um zu schauen, was es Neues gibt. In der Schlange vor dem Bäcker, während der einschläfernden Vorlesung, an der Haltestelle, auf dem Weg nach Hause, beim Fernsehen, vor und nach dem Schlafengehen - wenn man die Option nicht mehr hat, fallen die kurzen Griffe zum Handy wirklich auf.

Für mich war es überraschend, wie oft ich fast schon unbewusst zu meinem Social Media Ordner gewandert bin. Entsperren, Home-Taste, eine Seite weiter scrollen und, oh. Erst die fehlenden Apps haben mich wieder aufgeweckt und an mein Vorhaben erinnert, denn plötzlich war nichts mehr da um den leisen Aktualisierungs-Hunger zu stillen. Dieses Wachrütteln hat wirklich geholfen, mich ins Hier und Jetzt zu katapultieren und mir bewusst zu machen, wo ich gerade bin. Vorher hätte ich von mir nicht behauptet, unachtsam durch meinen Alltag zu gehen, doch man macht schneller Fehleinschätzungen als man denkt. Wenn man sich so jede Möglichkeit zur Ablenkung nimmt, fühlt es sich schon fast wie ein kleiner Entzug an. Man wird ein bisschen rastlos, will doch nur kurz nachsehen was es so gibt - das nicht zu können ist definitiv unbefriedigend, aber in erster Linie erschreckend.

Versteht mich nicht falsch, ich bin absolut kein Fan von diesem Gegentrend, der Social Media dämonisiert. Im Gegenteil. Es eröffnet wunderbare Möglichkeiten, bietet Platz für die verschiedensten Gemeinschaften, es kann eine Plattform für freundliche Gesten, Unterstützung, neue Ideen und positive Entwicklungen sein oder Menschen eine Stimme verleihen, die sonst nie zu Wort kommen würden. Nur stehen wir vor der schwierigen Aufgabe, all diese Inhalte möglichst sinnvoll zu filtern.
Wie wir das machen sollen, kann uns kaum jemand sagen. Die älteren Generationen stehen entweder vor demselben Problem oder sind zu beschäftigt damit, uns eben dafür zu verurteilen, oder gerne auch beides. Meiner Meinung nach liegt auch die Antwort nicht bei ihnen, sondern bei uns 'Jüngeren'. Wir sind diejenigen, die während dieser rasanten Entwicklung groß geworden sind; viele kennen es gar nicht mehr ohne Internet. Wir haben ein völlig neues Verständnis für all den "Technikkram" und werden so auch ganz neue Lösungen finden, davon bin ich überzeugt. Und wenn die 'Älteren' ihre Erfahrungen ebenfalls einbringen, wie zum Beispiel John & Hank Green mit ihren YouTube Videos, können wir das ganze auch im positiven Sinne nutzen.

Aber zurück zu meinem kleinen Hiatus-Experiment. Ich habe in der Woche vieles über mich und mein Verhalten gelernt, dass mich ehrlich überrascht hat. Seitdem versuche ich meine Zeit besser zu nutzen und bewusster mit den sozialen Medien umzugehen. In der Woche danach bin ich so schnell wieder in alte Muster zurückgefallen, dass ich jetzt beschlossen habe, die Apps von meinem Telefon zu verbannen. Facebook ist schon lange nicht mehr drauf, aber auch twitter und tumblr nutze ich jetzt nurnoch am PC/Laptop, und da logge ich mich nach jedem Besuch wieder aus. So muss ich erst die Hürde des Passwortes überwinden, was den 'Wachrüttel-Effekt' mit sich bringt wenn ich unbewusst stöbern wollte. Damit geht es mir ehrlich gesagt auch viel besser und ich vermisse das Scrollen so gut wie gar nicht - Mission Accomplished.

Falls ihr selbst eine Social Media Pause braucht, hier ein paar Tipps von mir:
» macht euch eine Liste schöner Dinge, mit denen ihr euch gerne mehr beschäftigen würdet
  (lesen, stricken, schreiben, basteln, malen, Musik machen, spazieren gehen usw.)
» löscht die Apps von eurem Smartphone, deren Webseiten ihr benutzen könnt
» plaziert die übrig gebliebenen Apps, die ihr weniger nutzen wollt, so dass ihr einen 'Umweg' machen müsst um sie zu erreichen (z.B. auf der letzten Seite oder in anderen Ordnern)
» wenn ihr euch beim scrollen ertappt, beschäftigt euch mit einer Aktivität von eurer Liste 
Verbringt ihr vielleicht auch zu viel Zeit mit scrollen? Würdet ihr eine solche Pause in Erwägung ziehen?
Oder benutzt ihr ohnehin schon kaum soziale Medien? Was sind eure Gedanken zu dem Thema?

Ich würde mich unglaublich über eure Kommentare freuen!

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6 Kommentare

  1. Liebe Sandy,

    vielen Dank für diesen Beitrag!
    Auch mir ist aufgefallen, wie viel Zeit ich am Handy verbringe und scrolle. Das ist wirklich nicht mehr schön und dieses Gefühl, trozt all der Zeit noch immer nicht up to date zu sein, ist ätzend. Aber mal ehrlich, was verpasst man schon? Wahrscheinlich weniger, als man denkt.

    Ich habe auch schon überlegt, wie ich mir das wieder abgewöhnen kann. Dein Tipp mit der Liste und dem Löschen der Apps klingt super. Das werde ich auch probieren. Bin mal gespannt, ob ich mich dann auch erschrecke. Vermutlich schon. :D

    Auf weiterhin weniger Scrollen! Ich drücke dir die Daumen, dass es auch weiterhin so gut läuft.

    Liebe Grüße,

    Lisa

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    1. Danke Laura! Es ist auf jeden Fall etwas erleichternd zu hören, dass es nicht nur mir so geht :D
      Du hast völlig Recht, man ist nie fertig mit aktualisieren, wird es nie sein und hat das auch gar nicht nötig.
      Ich würde mich total freuen wenn meine Tipps dir irgendwie helfen konnten, sag mir unbedingt Bescheid wie es funktioniert (und ob du dich auch ein bisschen erschreckt hast)! Ich drück dir auch die Daumen :)
      Allerliebste Grüße, Sandy ❤

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  2. Hey Sandy :)
    Ein schöner und liebevoll geschriebener Beitrag! Habe ich sehr gern gelesen! Allerdings habe ich auf meinem Handy dabei gescrollt ;) :D
    Ich weiß genau was du meinst, wenn du sagst "Und umso weniger passiert, umso mehr guckt man nach". Geht mir oft in der Uni so, wenn ich nicht zuhöre, aber dann auch nichts im Netz passiert :D Falsche Einstellung, ich weiß ;)
    Ich war früher ein absoluter Feind von Social Media. Ich habe auch bis heute kein Whatsapp (, was mich von einem bestimmten Teil der Gesellschaft schon ausschließt :D), aber dafür den Facebook Messenger. Trotzdem fehlt bei mir auch Instragram, Twitter und co. Man könnte sagen ich bin langweilig...allerdings habe ich trotzdem immer das Bedürfnis meine Apps zu checken. Und eben vor allem, wenn gar nichts passiert. Der ständihg Blick zum Handy nervt mich so! Aber irgendwie ist es auch echt schwer es zu lassen. Vor allem, wenn auch all die Leute mit denen du zusammensitzt genau das gleiche machen. Eigentlich richtig krass traurig. Aber man kann sich über Social Media eben auch toll vernetzen, wie du schon sagst. Und irgendwie macht es Spaß und ist toll und...ach...wir sind doch alle die gleichen freakigen Blogger :D Ich denke du verstehst, was ich meine ;)
    Ach, ich rede mich hier um Kopf und Kragen. Ich finde es jedenfalls echt gut, dass du so etwas mal ausprobiert hast! Du hast schöne Tipps und ich nehm mir auch vor, das Handy im Seminar einfach mal in der Tasche zu lassen ;)
    Ich weiß nicht, ob mein Kommentar jetzt so viel Sinn gemacht hat, aber irgendwie hatte ich das Bedürfnis mich zu äußern :D Vor allem, da du die ja auch so viel Mühe gegeben hast ;)
    Allerliebste Grüße,
    Julia

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    1. Vielen Dank Julia! Und bei Bloggern scrollen ist das ja was anderes… :D
      Total interessant was du erzählt hast! Whatsapp ist für mich zum Beispiel durch internationale Freundschaften unabdingbar, den Facebook Messenger nutze ich dafür gar nicht. Das kommt ja auch immer drauf an wo sich der Freundeskreis hauptsächlich aufhält. Und die ganzen Apps nicht zu nutzen macht dich absolut nicht langweilig! Besonders überraschend fand ich, dass du trotzdem das Aktualisierungs-Bedürfnis kennst. Vielleicht ist es ja gar nicht so eng mit diesen sozialen Medien verbunden? Auf jeden Fall nervt es wirklich und ist doch schwer zu ignorieren.
      Ich weiß genau was du meinst :) Die Freude am Vernetzen und das einzigartige Gefühl, andere Menschen kennen zu lernen mit denen du auf einer Wellenlänge bist – das ist doch irgendwie der Grund, warum wir so viel Zeit damit verbringen. Und irgendwie werden wir es auch schaffen, unseren Fokus darauf zu legen. Das Handy beim Seminar in der Tasche zu lassen ist auf jeden Fall ein guter Anfang! Wenn die Tipps dir irgendwie helfen, würde mich das sehr freuen.
      Dein Kommentar hat absolut Sinn gemacht und ich schätze es sehr, dass du dich so damit beschäftigt hast :) Dankeschön!!
      Allerliebste Grüße, Sandy ❤

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  3. Schön geschrieben, und ich kann dir nur gratulieren, sich wirklich vorzunehmen weniger auf die sozialen Meidne zurück zu greifen würde sicherlich auch dem ein oder anderem Menschen helfen, denn wie du schon sagst es raubt unfassbar viel Zeit. Vielleicht nehme ich mir dich als Vorbild und probiere es auch mal mit weniger Facebook und Co. und dafür mit mehr Zeit für den direkten Kontakt zu den Menschen :D

    LG Piglet ♥

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    1. Daaanke Sandra :) Ich kann dir nur zustimmen und bin ziemlich stolz dass du auch nur darüber nachdenkst, etwas zu verändern. Lass uns das Vorhaben am besten gleich nächste Woche in die Tat umsetzen :D
      Allerliebste Grüße, Sandy ❤

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