Rezension: Berlin Feuerland – Titus Müller

by - 17 April



Titel: Berlin Feuerland
Autor: Titus Müller
Verlag: Blessing
Seitenzahl: 480 




Klappentext:
Hannes Böhm lebt in dem Industrieviertel, das die Berliner Feuerland nennen, weil hier die Schornsteine der Industrie qualmen. Als eine Art selbst ernannter Fremdenführer verdient er sich ein kleines Zubrot, indem er neugierigen Bürgern die Armut und die Not in den Hinterhäusern zeigt. Bei einer solchen Gelegenheit lernt er Alice kennen, die als Tochter des Kastellans im Berliner Stadtschloss wohnt, der Frühlingsresidenz des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. Alice ist schockiert über das Ausmaß der Verelendung – und zugleich tief beeindruckt von Hannes, der voller Ehrgeiz und Fantasie zu sein scheint.
Doch als die Märzunruhen 1848 ausbrechen, als sich der Konflikt zwischen dem preußischen König und den Aufständischen zuspitzt und gemäßigte Kräfte nur schwer Gehör finden, scheint es für die Gefühle, die Hannes und Alice füreinander entwickeln, keine Zukunft mehr zu geben.

Zum Buch:

Berlin Feuerland hat mir die großzügige Lea nach der Buchmesse überlassen - ein Schmöker weniger im Koffer ist nach stundenlangem Bücher-schleppen wahrscheinlich doch eine recht verlockende Ansicht - und ich könnte ihr dafür nicht dankbarer sein. Sonst hätte ich es wahrscheinlich nie gelesen und einen ganz besonderen Tag im 19. Jahrhundert verpasst! Begonnen habe ich das Buch nämlich bei einem kleinen Mittags-Picknick im Park mit meiner Familie - es gibt kaum eine bessere Kulisse für eine Geschichte aus dieser Zeit - und es bis in den nächsten Morgen zu Ende gelesen.

Meine Meinung:
Mit historischen Romanen habe ich nicht besonders viel Erfahrung, aber vielleicht wird sich das jetzt ändern. Denn nicht nur die Beziehung zwischen Hannes und Alice ist spannend bis zum Schluss - Wird sie sich für ihn entscheiden, oder doch für den einflussreichen Premierleutnant Victor? Wird Hannes die Revolution unterstützen oder nicht?, - auch die realen Charaktere sind unglaublich gut ausgearbeitet. Die Recherche wurde absolut detailliert geführt, und nicht selten habe ich mir gedacht 'Das ist jetzt aber nicht wirklich so passiert' und war auf dem Holzweg. Schockierende Sätze des Königs von Preußen, anklagende Lieder gegen ihn, Frechheiten die sich der Prinz von Preußen herausnahm, Intrigen oder Schüsse auf die protestierende Bevölkerung, das alles ist wirklich geschehen und hat das Buch auf eine gewisse Art noch faszinierender gemacht.
Zu meinen Lieblingspersonen zählt der Berliner Polizeipräsident Julius von Minutoli. Einen so vielschichtigen, realistischen und offenen Charakter hatte ich nicht erwartet - und besonders nicht, dass alles was man im Buch über ihn erfährt, wahr ist. Er wäre ein weitaus besserer König als Friedrich Wilhelm gewesen und ich wünschte, wir hätten im Geschichtsunterricht von ihm erfahren. Er ist wie ein Bindeglied zwischen der Monarchie, deren Gesetze er verteidigt obwohl sie seine Treue anzweifelt, und den Revolutionären, deren Forderungen er versucht zu unterstützen obwohl sie ihn verachten. Das bildet auch einen sehr entscheidenden Punkt des Buches: man lernt beide Seiten kennen und kann nicht anders, als deren Beweggründe nachzuvollziehen. Es gab kein Schwarz oder Weiß, Gut oder Böse, nur verschieden denkende Menschen von denen einige mehr und andere weniger in ihren Vorstellungen festgefahren waren. Plötzlich wird einem klar, dass es eine sehr komplizierte Zeit gewesen ist und man froh sein kann, nicht vor entsprechenden Entscheidungen stehen zu müssen.
Obwohl Hannes ein fiktiver Charakter ist möchte ich auch ihn noch hervorheben, denn seine unbändige Willenskraft hat mich wirklich inspiriert. Er wurde in eine Situation hineingeboren die kaum Aussicht auf Besserung verspricht, doch das bringt ihn nicht zur Hoffnungslosigkeit. Im Gegenteil, er ist fest entschlossen alles für ein besseres Leben zu tun und versucht, über Lesen, Lernen, Sparen und harte Arbeit genau das zu erreichen. Dabei verliert er aber weder seine Fantasie, noch seine fast kindliche Freude und Faszination an kleinen Dingen. Vielleicht macht ihn gerade das so sympathisch. Auf jeden Fall kann man sich Hannes für alle Aspekte des Lebens zum Vorbild nehmen.
Neben diesen beiden trifft man natürlich noch auf eine Menge anderer (bekannter) Charaktere wie Alexander von Humboldt oder Ernst von Pfuel - was mich häufig schmunzeln ließ, denn es war ein Gefühl als wäre der alte Geschichtsunterricht plötzlich real geworden. Neben der Spannung und Unterhaltung kommt also auch der Lernfaktor nicht zu kurz und wenn ihr euch für diese Zeit ein bisschen interessiert, kann ich euch das Buch nur ans Herz legen.

Fazit:
Berlin Feuerland war für mich der absolute Beweis dass eine gute Geschichte immer beeindrucken kann, egal aus welchem Genre sie kommt. Ich hätte nie gedacht, dass ich die fast 500 Seiten in ungefähr 12 Stunden gelesen haben würde, und ich weiß dass ich bisher mit Teetassen fast schon um mich werfe, aber dieses Buch hat einfach alle 5 verdient. 


5 / 5 Black Tea Cups 

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6 Kommentare

  1. Ich liebe historische Romane, aber lieber die diein fernen Ländern spielen ;)
    Es freut mich, dass ein zufälliges Geschenk dir so viel Freude bereitet hat, und danke das du diese Freude mit uns teilst :)!

    LG Piglet <3

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    1. Ohhhh vielen Dank mein Piglet!!
      Allerliebste Grüße ♥

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  2. Huhu Sandy,
    ich bin wirlich froh, dass dir mein Buch so gefallen hat, jetzt wo ich drüber nachdenke klingt es echt gut. Aber bei historischen Büchern mag ich eigentlich nur die, die am englischen Königshof spielen^^

    Liebst,
    Lea ♥

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    1. Hey Leeeaaa :D
      Wie schon gesagt, einen riesen Dank für das Buch! Sonst geht es mir genau wie dir, England ist ja eigentlich auch immer mein Land und Berlin eine Stadt die mich noch nie begeistern konnte... aber das hat die Geschichte einfach wett gemacht :)
      Allerliebste Grüße ♥

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  3. Hallöchen! :)
    Es tut mir sehr leid, dass ich jetzt nichts zum Buch sage, aber ich wollte einfach mal ein Kommentar hinterlassen.
    Ich habe eben ein bisschen durch deinen Blog gestöbert und freue mich, dass du der Buchbloggerwelt beigetreten bist! ;)
    Ich finde es immer schon neue buchbegeisterte Menschen kennenzulernen.
    Ich finde auch deinen Messebericht sehr schön. :D Ich war ürbigens auch bei dem Chickenhouse Treffen. Ein wirklich tolles Erlebnis. :D ich bin froh, dass ich hingegangen bin!
    Nun dann.. i join the teaparty! ;)

    Liebst, Lotta

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    1. Hey Lotta!
      Das ist wirklich kein Problem, ich habe mich sehr über deinen lieben Kommentar gefreut :)
      Wie genial dass du auch beim Chickenhouse Treffen warst! Du hast vollkommen Recht, es war einfach super.
      Vielen vielen Dank und Allerliebste Grüße ♥

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