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Rezension: Überlieben in 10 Schritten – Rachel McIntyre

Rezensionen 07 Februar
Überlieben in 10 Schritten | von: Rachel McIntyre | Verlag: Magellan | Übersetzung: Sandra Knuffinke und Jessika Komina | Originaltitel: The Number One Rule for Girls | 304 Seiten | erschienen am 18.01.2017  | Hardcover: 17.00€ | Kaufen? |
Meine Wertung: ★★★★★

Klappentext

Daisy hat die Nase voll! Von Jungs im Allgemeinen und von ihrem Ex im Speziellen. Zeit für einen Neuanfang! Am College ist sowieso alles besser und man hat viel Wichtigeres als Jungs im Kopf. Davon ist Daisy fest überzeugt – zumindest bis sie Toby begegnet. Mr Charming hat es ihr angetan. Alles scheint perfekt, sodass sie die ersten Wolken am Liebeshimmel komplett übersieht. Doch so langsam braut sich ein richtiger Sturm zusammen, dem niemand entkommen kann! Jetzt ist es an Daisy, das Ruder wieder in die Hand zu nehmen …
Quelle: Verlag

Meine Meinung

Der Klappentext sagt es schon: Daisy hat sich von ihrem langjährigen Freund Matt getrennt, der mit seiner Mutter nach Spanien gezogen ist. Jetzt hat sie mit den üblichen Trennungsgefühlen zu kämpfen: er-fehlt-mir-so steht gegen er-kann-mich-mal. Aber Daisy entscheidet sich für einen Neuanfang und wechselt auf das College. Schon von Anfang an beweist sie, was für eine fantastische Protagonistin sie ist: ihren geliebten, ausgeflippten Vintage-Kleidungsstil gibt sie für niemanden auf, sie ist freundlich und loyal, und für ihre freche, selbstbewusste Art muss man sie einfach gern haben. Natürlich ist sie nicht perfekt und macht Fehler, aber gerade diesen realistischen Teil schätze ich sehr. Auf der anderen Seite hat sie eine tolle Beziehung zu ihren Eltern, um die sie viele Jugendbuch-Charaktere beneiden würden. Die beiden sind schon seit ihrer Schulzeit zusammen und betreiben eine erfolgreiche Heiratsagentur, bei der Daisy regelmäßig aushilft. Dass sie dadurch ständig von glücklichen Paaren umgeben ist macht ihre eigene Trennung nicht einfacher, aber gleichzeitig bestätigt das ihren Glauben an die große Liebe.

Außerdem hat sie zwei beste Freundinnen, die ihr immer zur Seite stehen. Natürlich gibt es auch einige Streitereien, die die Mädels aber nicht trennen können. Zehn Regeln verbinden sie miteinander, wobei die zehnte erst erfunden werden muss, und diese 'Gebote' kann sich jedes weibliche Wesen zu Herzen nehmen. Darin geht es um Freundschaft, Selbstbewusstsein, Unabhängigkeit und - ja, ich benutze das Wort - verschiedene feministische Gedanken, die nicht etwa die Weltherrschaft der Frauen zum Ziel haben sondern die Mädchen immer wieder an ihren eigenen Wert erinnern sollen. Diese kleinen Nachrichten finden sich überall im Buch und sind einer der zwei Punkte, die diese Geschichte wichtig machen.

Der andere Punkt ist das Problem, das Toby mit sich bringt. Der extrem gutaussehende und beliebte College-Schüler holt Daisy aus ihrem Trennungs-Tief, ist aber bei weitem nicht so perfekt wie es aussieht. Was genau passiert möchte ich natürlich nicht verraten, aber es ist wichtig weil es zeigt, wie subtil sich jemand verändern kann, so dass auch ein selbstbewusstes Mädchen wie Daisy nichts merkt. Derartige Schwierigkeiten verdunkeln ihre sonst farbenfrohe Welt, die einem beim Lesen einfach nur Freude bereitet.

Daisys Art zu denken und zu reden ähnelt ihrem ausgefallenen Kleidungsstil und brachte mich immer wieder zum lachen. Dabei muss man einfach die Übersetzerinnen loben: die unzähligen Anspielungen und Erwähnungen von Dingen, die aktuell im Leben jedes Teenagers sind, wurden perfekt ins Deutsche übertragen. Das gleiche gilt für Daisys bunte Sprache, die quasi ein Feuerwerk an Alliterationen, Wortspielen und -neuschöpfungen ist und jedem Freude bereiten wird, den Worte faszinieren.

Besonders hat mir gefallen, dass die Geschichte in Großbritannien spielt. Mittlerweile wissen wir wohl alle wie es an amerikanischen High Schools so läuft, aber hier bekommt man einen Einblick in die berühmt-berüchtigte "Sixth Form / College" Zeit in England & Co. Natürlich gibt es viele Gemeinsamkeiten, aber die neue Atmosphäre ist trotzdem sehr angenehm.

Mit Überlieben in 10 Schritten hat Rachel McIntyre all meine Erwartungen an ein Jugendbuch erfüllt. Es hat einfach nur Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen und ich empfehle es jedem, der eine lockere Geschichte mit viel Herz für Zwischendurch sucht.


Weitere Rezensenten


Vielen Dank an Magellan für dieses unterhaltsame Rezensionsexemplar!

Lesemonat: Januar 2017

Lesemonat 03 Februar
Hallo ihr Teetrinker ☕

Der erste Monat in diesem Jahr ist vorüber! Ich hoffe ihr hattet alle einen guten Start in 2017. Bei mir ist auf einmal noch mehr los als sonst, wodurch ich erstens leider kaum zum Lesen komme und zweitens ein bisschen spät dran mit dem Rückblick bin. Hoffentlich seht ihr mir nach dass es momentan nicht ganz so viele Posts gibt, denn ich möchte lieber weniger und dafür weiterhin sorgfältig schreiben, als euch mit vielen halbherzigen Beiträgen zuzutexten. Ich habe auch schon einige tolle Ideen für die Zeit nach meiner Bachelorarbeit, auf die ich mich jetzt schon freue! Aber eins nach dem anderen, hier erst einmal mein...



beendet

Elias & Laia - Band 2 Sabaa Tahir510 Seiten☕☕☕☕
Depression abzugebenUwe Hauck428 Seiten☕☕☕☕
Flawed (Hörbuch)Cecilia Ahern15 Std. 40min☕☕☕☕☕

begonnen

Jane Austen: A LifeClaire Tomalin320 Seitenbisher 180 Seiten
Überlieben in 10 SchrittenRachel McIntyre300 Seitenbisher 122 Seiten
HandletteringJulia Kerschbaumer95 Seitenbisher 57 Seiten

rezensiert

A Quiet Kind of ThunderSara Barnard320 Seiten☕☕☕☕☕ 🌟
Daniel is DifferentWesley King302 Seiten
Der Fluch der falschen FrageLemony Snicket224 Seiten☕☕☕
Zu den Rezensionen gelangt ihr wie immer durch ein Klick auf die jeweilige Bewertung!


Eine Fackel im Dunkel der Nacht, den zweiten Band der Elias & Laia Reihe habe ich über den Jahreswechsel gelesen und sehr genossen. Es gab ein paar kleine Kritikpunkte, aber sonst hat es mir sehr gut gefallen! Außerdem passt das wunderschöne Cover perfekt zu unserem kleinen Schlösschen. :)



Ebenfalls mit in den Schnee durfte Depression abzugeben, das ich parallel zu Elias & Laia gelesen habe und eins der drei 'mental illness' Bücher in diesem Monat ist. Auch wenn es einen Punkt Abzug für stellenweise Langatmigkeit gab kann ich es doch nur jedem empfehlen, egal in welchem Verhältnis ihr zu Depressionen steht.

Außerdem habe ich Flawed - Wie perfekt willst du sein? als Hörbuch gehört. Es hat mir fast einen ganzen Tag ruiniert, weil ich einfach nicht auf Pause drücken konnte! Meine Reaktion spricht für sich, aber wenn ihr interessiert seid schreibe ich gern noch eine Rezension. :)



An Jane Austen: A Life lese ich jetzt schon ziemlich lange, und obwohl es eigentlich sehr interessant ist komme ich einfach nicht voran. Kennt ihr das Gefühl? Ich hoffe mir einfach einen kompletten Tag Zeit zu nehmen, um die bisher begonnen Bücher zu beenden und euch so bald wie möglich davon zu berichten. Noch nie habe ich sechs Bücher parallel gelesen. :D Alle Updates zwischendurch gibt es in meinem Goodreads Account - ich freue mich über jede Freundschaftsanfrage, also keine Scheu!

Da A Quiet Kind of Thunder und Daniel is Different in diesem Monat erschienen sind, durften auch endlich die Rezensionen online gehen. Beide Bücher verarbeiten unterschiedliche psychische Erkrankungen in spannenden, berührenden Geschichten und ich kann sie euch nur ans Herz legen.

Von Lemony Snicket war ich zwar ein wenig enttäuscht, gleichzeitig würde ich aber nicht jedem davon abraten. Was genau positiv und negativ daran war, erfahrt ihr natürlich in der Rezension.


Neu einziehen durften Überlieben in 10 Schritten, Handlettering und Die Krone der Sterne, um die es in den nächsten Wochen gehen wird!

Und auch mein Q&A Buch wird jeden Tag ein wenig mehr gefüllt, was mir viel Freude macht. Die Fragen sind wirklich gut ausgewählt. Manchmal regen sie wirklich zum Nachdenken an, andere sind so detailliert dass man sich durch sie später an Dinge erinnert, die man sonst sicher vergessen würde.


Von meinem Bullet Journal berichte ich schon fleißig auf Instagram, werde aber bestimmt noch einmal alles in einem Blogpost für euch zusammenfassen. Für meine Organisation ist es jedenfalls nach wie vor unabdingbar, gerade wenn mir die Bachelorarbeit mal wieder über den Kopf wächst. Dort bin ich mittlerweile bei der Hälfte angelangt, in einer kleinen Krise stecken geblieben und hoffe, dass ich da so schnell wie möglich wieder herauskomme und gegen Ende des Monats den ersten Entwurf fertig habe - und damit verabschiede ich mich auch schon wieder zurück in die Schreibwerkstatt!

Wie war euer Januar? Verlinkt eure Monats-Posts gerne in den Kommentaren!


Rezension: Der Fluch der falschen Frage – Lemony Snicket

Rezensionen 28 Januar
Titel: Der Fluch der falschen Frage (Meine rätselhaften Lehrjahre) | Autor: Lemony Snicket (Daniel Handler) | Verlag: Goldmann | Seitenzahl: 224 | Reihe: Band Eins  | Originaltitel: Who can that be at this Hour (Noir Book 1) | Übersetzung: Sabine Roth

Lemony Snicket, der den Leser schon öfter an der Nase herumgeführt hat, ist wirklich nicht zu trauen. In seiner neuen Reihe von Detektivromanen erzählt er erstmals seine eigene Geschichte. Oder gibt er dies nur vor? Und treibt ein höchst raffiniertes und vergnügliches Verwirrspiel mit uns, wenn er uns in seine Kindheit entführt? Alles beginnt in einer verwunschenen Stadt am Meer. Hier soll der junge Lemony Snicket zusammen mit S. Theodora Markson, einer eigentlich mehr als lausigen Detektivin, den ominösen Diebstahl einer noch ominöseren Statue aufklären. Als er mit seinen Nachforschungen beginnt, muss er aber leider erkennen, dass er immer die falschen Fragen stellt. Doch vielleicht sind es gerade diese Fragen, die Theodora und ihn auf die richtige Spur führen? 
Quelle: Verlag



Der Fluch der falschen Frage ist mein erstes Buch von Lemony Snicket, obwohl ich natürlich schon einiges von ihm gehört und damals Eine Reihe betrüblicher Ereignisse gesehen habe. Details über seine Welt kannte ich aber noch nicht, was ich hiermit ändern wollte.

Gleich zu Beginn wird man ziemlich abrupt in die Geschichte geworfen. Es sind verwirrende Umstände, in denen man dem jungen Lemony Snicket zum ersten Mal begegnet und die erst zum Ende hin erklärt werden. Da es sich hier ja um die Vorgeschichte von Lemony Snicket selbst handelt, und ich wie gesagt kaum etwas über diese fiktive Persönlichkeit weiß, hatte ich gehofft einige Hintergrundinformationen zu bekommen. Doch auch wenn sich nach und nach ein Bild zusammenfügt, ist man trotzdem nicht schlauer als am Anfang - im Gegenteil.

Man hat durchgängig das Gefühl, mit Absicht irritiert zu werden und muss erst lange nachdenken, um zu verstehen was diese Geschichte bedeutet. Die Stadt Schwarz-aus-dem-Meer ist eine ziemlich trostlose Kulisse, und auch die Charaktere schließt man nicht unbedingt ins Herz. Das gilt besonders für die Erwachsenen, die alle äußerst merkwürdig sind. Die Kinder scheinen als Einzige klar zu sehen und eindeutigere Persönlichkeiten zu haben, was ziemlich interessant ist.

Das gilt auch für Lemony Snicket selbst, denn obwohl er schnell zu einem sympatischen Charakter wird hat er auch vor dem Leser noch einige Geheimnisse. Neben dem Fall in Schwarz-aus-dem-Meer hat er eine andere Mission die ihm persönlich wichtiger ist, doch Details bekommt man hier ebenfalls nur schleppend. Die Stadt selbst ist, ähnlich wie die meisten Erwachsenen, ziemlich eintönig, trostlos und für mich der Hauptgrund, warum ich nicht unbedingt auf die nächsten Bände brenne. Anscheinend spielt die gesamte Reihe dort, und selbst mental möchte ich keine Minute länger als nötig an diesem Ort verbringen.

Der Fluch der falschen Frage erinnert ein wenig an Professor Layton, nur dass der junge Lehrling ein eher ungewöhnlicher Protagonist ist und seine Mentorin äußerst inkompetent wirkt. Dass man als Leser gefordert wird sollte man vorher auf jeden Fall wissen, und auch das Setting lädt nicht gerade zum Träumen ein. Dennoch war es ein unterhaltsames Buch, dass vielleicht noch besser wird wenn man mehr über Lemony Snicket weiß. Ich vergebe drei BlackTeaCups, da mich einfach zu viel irritiert hat und die Begeisterung eher ausblieb. Von mir gibt es damit zwar keine universelle Leseempfehlung, aber Fans und Interessierte können dem Buch auf jeden Fall eine Chance geben!

Rezension: Depression abzugeben – Uwe Hauck

Rezensionen 20 Januar
Titel: Depression abzugeben | Autor: Uwe Hauck | VerlagBastei LübbeSeitenzahl: 428


Seelische Erkrankungen verschleppt man oft und das kann schiefgehen. Uwe Hauck möchte über das Tabuthema Depressionen aufklären, den Betroffenen die Angst vor Psychiatrien nehmen und einen Einblick in das geben, was einem in der Klapse erwartet. Offen, schonungslos und unterhaltsam lässt er uns an seinem Therapieverlauf teilnehmen und spart nicht mit Anekdoten über Beschäftigungsmaßnahmen, wie Korbflechten, Maltherapien oder Ausdruckstänzen. Denn die Klapse ist nichts anderes als ein Krankenhaus für gebrochene Seelen, und eigentlich sind in der Klapse eher normale Menschen, die mit dem Wahnsinn da draußen nicht mehr fertig werden, so der Autor.
Quelle: Verlag


Zuerst noch kurz eine Trigger-Warnung für Details zum Thema Depression - der Titel sagt es ja schon, aber sicher ist sicher. Außerdem wird die Rezension etwas länger, aber das hat dieses Buch auch verdient.

In Depression abzugeben erzählt Uwe Hauck nämlich auf ausführliche und persönliche Weise von seiner Depression, Therapien und allem was dazu gehört, um mehr Menschen zu zeigen was genau hinter dieser Krankheit steckt. Es beginnt auch sofort mit der schlimmsten Phase die der Autor durchleben musste und schließlich zum Suizidversuch geführt hat, welcher vom Auslöser bis zum Krankenhausaufenthalt beschrieben wird. Das kann schon fast als schonungsloser Einstieg bezeichnet werden und ist nichts, was man auf die leichte Schulter nehmen sollte. Trotzdem, oder gerade deswegen, finde ich es wichtig davon zu lesen und diese gefährlichen Gedankenspiralen kennen zu lernen, die zu solchen drastischen Entscheidungen führen.

Viele neue Eindrücke bieten dann die Beschreibungen der Abläufe in der Psychiatrie. Dass Zwangsjacken und Gummizellen hier nicht an der Tagesordnung sind dachte ich mir schon, aber eine genauere Vorstellung hatte ich auch nicht - und es gibt genug Leute die solche Klischees noch immer für die Realität halten, also sollte man genau deswegen darüber sprechen. Es war erschreckend und enttäuschend zu lesen, dass im Bezug auf psychische Krankheiten noch immer so viel Unverständnis, Vorurteile und soziale Tabus existieren und diesen unvorstellbaren Druck ausüben.

Das gilt auch für die Schwarzmalerei von Twitter & Co, womit der Autor immer wieder konfrontiert wird und die mich ehrlich gesagt doch überrascht hat. Unsere Generation geht inzwischen selbstverständlich mit der Technik um und vergisst schnell einmal, dass ein großer Teil der "Älteren" noch immer viele Vorbehalte hat. Dabei scheint gerade Twitter dem Autor geholfen zu haben - nicht zuletzt hat er dort den Hashtag #ausderklapse kreiert, unter dem er regelmäßig aus der Klinik berichtet hat. Diese Tweets finden sich auch gelegentlich im Buch wieder, was eine tolle Idee und Auflockerung war. Ich konnte zwar nicht immer einen direkten Bezug zwischen Tweet und dem jeweiligen Absatz herstellen, aber trotzdem wurde das Ganze dadurch noch einmal greifbarer. Auch Erwähnungen von Quizduell oder Whatsapp-Gruppen helfen zu realisieren, dass genau jetzt depressive Menschen gegen ihre Krankheit ankämpfen.

Und das wird im Verlauf des Buches immer klarer, selbst wenn man sich dessen schon bewusst war: Depression ist einfach eine Krankheit, eine Verletzung der Seele, mehr wie ein Knochenbruch und weniger wie Zwangsjacken-Verrücktheit. Dadurch wird außerdem deutlich dass es endlich normal sein sollte, darüber zu sprechen und sich Hilfe zu suchen. Wenn man sich ein Bein bricht versucht man schließlich auch nicht, das selbst wieder zu richten. Bei psychischen Krankheiten kommt nur leider das Problem der Unsichtbarkeit dazu, was eine weitere Erinnerung an die Wichtigkeit des Buches ist.

Die Stimmung heben kleine Witze oder Wortspiele, oft mit einer Portion Sarkasmus und schwarzem Humor. Das finde ich persönlich großartig, denn es zeigt dass der Autor und die anderen Patienten trotz allem noch über sich selbst lachen können. Interesse wie es weitergeht wird durch Andeutungen und Ausblicke geweckt; nur manchmal fehlte die Spannung und einige Beschreibungen haben sich etwas gezogen. Doch auch die trägen Stellen spielen eine Rolle, weil es sich ja für die Patienten selbst so anfühlt. Ebenso deutlich erlebt man auch die Momente, in denen aus normalen Situationen hinterrücks dunkle Gedanken entstehen, was doch sehr erschreckend war und zeigt, dass man diese Abwärtsspiralen nur schwer aufhalten kann wenn man sie nicht erkennt.

Es ist also unabdingbar von den Klinikaufenthalten, Therapien und Gesprächen zu erzählen, aber was mich vor allem interessiert hat waren die Reaktionen der anderen Menschen im Umfeld des Autors. Seine Familie geht beispielsweise fast schon vorbildhaft mit der schwierigen Situation um und hat ein großes Lob verdient, aber leider gibt es wie erwähnt auch viel Unverständnis oder Rücksichtslosigkeit. Von den Freundschaften zwischen den Patienten hätte ich außerdem gern noch etwas mehr erfahren, was aber verständlicher Weise nicht immer leicht einzubauen ist. Dafür gibt es mit jedem Wechsel zwischen Station, Tagesklinik und Reha wieder neue Menschen, neue Therapien und neue Eindrücke wie das Leben mit dieser Krankheit aussieht.

Viele Menschen die an einer psychischen Krankheit leiden müssen auf schwierige Ereignisse in ihrer Kindheit zurückblicken, und ich hatte großen Respekt für die Offenheit, mit der dieser Aspekt behandelt wird. Im Laufe des Buches merkt man außerdem, wie sich unbewusst seine Sprache verändert je besser es dem Autor geht. Und obwohl das Ende etwas abrupt war, runden intelligente, logische Feststellungen über psychische Erkrankungen das Buch ab. Da man viele Momente dieses schwierigen Weges quasi mit dem Autor geht ist man irgendwie selbst stolz auf seine Fortschritte und bekommt viel Respekt vor jedem Betroffenen.

Depression abzugeben ist nicht unbedingt ein Buch was man einfach mal so nebenbei liest, aber wenn man ein ehrliches Interesse an der Krankheit und den betroffenen Menschen hat, kann man unglaublich viel lernen. Manchmal gab es etwas zu viele nebensächliche Details und einen etwas trägen Verlauf der Geschichte, aber es ist vorrangig eine absolut wahre, ehrliche und persönliche Erzählung. Ich hoffe sehr, dass dieses Buch die überfällige Diskussion ins Rollen bringen kann und das Thema Depression endlich normalisiert - das Potenzial hat es auf jeden Fall. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung!


an Bastei Lübbe für dieses aufschlussreiche Rezensionsexemplar!

Rezension: Daniel is Different – Wesley King

Rezensionen 18 Januar
Titel: Daniel is Different | Autor: Wesley King | VerlagMagellanSeitenzahl: 303 | Originaltitel: OCDaniel | Übersetzung: Claudia Max




Schule, Hausaufgaben, Freunde, Football – Daniel ist ein stinknormaler Teenager. Nicht besonders gut im Football, nicht besonders beliebt, intelligenter als gut für ihn ist, aber normal. Bis auf seine Ticks, von denen niemand weiß, die ihn zwingen, stundenlang Lichtschalter zu drücken, bestimmte Zahlen und Fugen zwischen Bodenplatten zu meiden und ihn den Schlaf kosten. Ist er verrückt? Das darf niemand wissen! Schließlich ist er verliebt, und Mädchen stehen wohl eher nicht auf Verrückte, oder? Da spricht ihn auf einmal die irre Sara an, das Mädchen, das eigentlich nicht redet. Sara will, dass er ihr bei der Suche nach ihrem vermissten Vater hilft. Und sie weiß mehr über Daniel, als er vor sich selbst zugeben möchte …
Quelle: Verlag


Verpackt als wunderschönes Weihnachtsgeschenk kam 'Daniel is Different' überraschend bei mir an, und neugierig wie ich bin ging es auch sofort los mit dem Lesen - aufgehört habe ich erst, als keine Seiten mehr übrig waren.

Zunächst einmal war ich begeistert von dem Konzept, psychische Erkrankungen in einem Jugendbuch zu verarbeiten, denn natürlich können auch Kinder und Teenager davon betroffen sein. Darüber zu lesen hilft ihnen sich weniger allein zu fühlen, ihren Erfahrungen einen Namen zu geben, es zeigt wie man damit umgehen kann und normalisiert das Thema, was ich unglaublich wichtig finde.

Die Darstellung der Krankheit war auch großartig umgesetzt und trifft genau die richtige Mischung. Schließlich nehmen die Zwangsstörungen einen großen Teil in Daniels Leben ein, aber trotzdem ist er noch viel mehr als seine Krankheit, die er selbst gar nicht als solche registriert und deshalb unterdrückt. Es war spannend mitzuverfolgen wie sich diese beiden Seiten an ihm beeinflussen und was passiert, wenn die Zwänge immer häufiger auftreten bis er sie kaum noch verstecken kann. Auch wenn man vorher vielleicht nicht mit psychischen Krankheiten in Berührung gekommen ist, macht sie das Buch auf eine simple Art zugänglich; zum Beispiel wenn Daniel seine 'Zaps' mit einem Albtraum vergleicht: es mag in seinen Gedanken und nicht direkt in der 'realen Welt' geschehen sein, aber für ihn ist es absolut echt, und genau das müssen mehr Menschen verstehen.

Allgemein betrachtet war die Handlung an einigen Stellen etwas vorhersehbar, und in der ersten Hälfte hat mich die Ausgangssituation nicht überzeugt, da sie ein wenig zu sehr an die typischen Highschool-Geschichten erinnert hat. Ein nerdiger, schlaksiger Junge der eher unsportlich ist hat einen beliebten besten Footballerfreund und ist demnach selbst im Team, um anderen zu gefallen. Deshalb spielt Football auch eine etwas größere Rolle, die mir als nicht-Fan manchmal etwas zu detailliert wurde. Es gab aber auch gut nachvollziehbare Momente, beispielsweise wenn Daniel zu sehr unter Druck steht und etwas einfach nicht klappen will, obwohl er es doch eigentlich kann - das ist sicher jedem von uns schon einmal passiert.

In diesem Absatz könnten Spoiler sein, denn obwohl ich versuche keine Details zu verraten, möchte ich hier trotzdem einen Kritikpunkt anbringen. Daniel ist in ein beliebtes Mädchen verliebt, glaubt sie wird ihn nie mögen so wie er ist und kommt dann zufällig mit der Außenseiterin 'Psycho Sara' in Kontakt. Das wirkte teilweise, als würden die beiden Mädchen nicht für sich selbst stehen sondern eher Daniels Welten repräsentieren - gesund und normal, oder krank und verrückt. Da war ich ehrlich gesagt enttäuscht, denn seine Krankheit hat überhaupt nichts mit dem Zustand der Mädchen zu tun. Ein nicht-betroffenes Mädchen kann ihn ebenso gern haben wie jemand der ebenfalls krank ist, und Daniel müsste seine Symptome auch dann nicht verstecken, wenn seine eventuelle Freundin gesund wäre. Diese Nachricht hätte ich zumindest gerne in der Geschichte gesehen.

Abgesehen davon gab es aber natürlich noch mehr positive Aspekte. Die Entwicklung der Freundschaft zu Max hat mich sehr gefesselt und von einem Gedanken zum Nächsten geschickt; Raya war großartig, die Beziehung zu Daniels Familie wirkte sehr realistisch und die kleine Emma ist definitiv meine geheime Heldin. Als Büchermensch konnte ich natürlich besonders gut nachvollziehen, dass Daniel seine Probleme bewältigt indem er selbst eine Geschichte schreibt. Dieses 'Buch im Buch' kann man teilweise sogar lesen und mitverfolgen, was eine tolle Möglichkeit für den Autor ist viele Ebenen miteinander zu verknüpfen.

Das Ende war ebenso gut gelungen, weil es einen realistischen Ausblick gibt der nicht überschwänglich negativ oder positiv, aber trotzdem hoffnungsvoll ist. Außerdem kann ich euch nur das Nachwort des Autors ans Herz legen, das zeigt wie persönlich dieses Buch für ihn ist und eigentlich alles zum Thema Akzeptanz sagt, was ich ausdrücken möchte. In seiner Autorenbiografie zeigt Wesley King übrigens seinen genialen Humor der mich schon beim Originaltitel des Buches zum Schmunzeln gebracht hat, also lest es unbedingt bis zur letzten Seite!

Lesen solltet ihr Daniel is Different nämlich auf jeden Fall. Trotz der kleinen Kritikpunkte ist es ein tolles Buch mit einem unfassbar wichtigen Thema, das viel offener besprochen werden sollte. Daniels Geschichte wird sicher nicht nur innerhalb der Zielgruppe gut ankommen, denn es hat großes Potenzial vielen Menschen zu helfen. Ich habe es sehr gern gelesen und vergebe vier von fünf BlackTeaCups:



Vielen Dank an den Magellan Verlag für dieses tolle Rezensionsexemplar!